Geschichte

 
St. Martin, Flehingen

Flehingen, das heute mit Sickingen zusammengebaut ist, war einst ein selbständiger Ort. Im Jahre 779 ist er zum ersten Male in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt. Damals wurde der Ort Flaningheim oder Flanicheim genannt. Ausgrabungen zufolge war es aber schon in keltischer, römischer und karolingischer Zeit ein bedeutender Ort.

Auch die Gemarkung von Bauerbach lag einst auf Flehinger Gebiet. Im 9. Jahrhundert besaß das Kloster Weißenburg im Elsaß hier eine Kirche. Das Adelsgeschlecht von Flehingen war Stamm- und Wappengenosse derer von Sickingen; angeblich hat sich 1158 ein Sohn der Sickinger in Flehingen niedergelassen und sich seither Flehinger genannt. Eine Volkssage erzählt, zwei Brüder der Sickinger hätten gestritten, der eine verlor und mußte fliehen (daher Flehingen), der andere siegte (daher Sickingen).

1249 wird ein Berthold von Flehingen als Pater im Konvent des Klosters Odenheim erwähnt; 1456 ein Herr von Flehingen sogar als Abt in Odenheim. Im schrecklichen Hunger-, Pest- und Typhusjahr 1636 starb das Adelsgeschlecht aus.

Im Jahre 1257 wird der erste Pfarrer genannt: Leutpriester Eberhard. 
1469 wird ein Frühmesser erwähnt, der eine Kaplanei innehatte.

Nach dem Aussterben der Herren von Flehingen gingen Schloß und Dorf an den Grafen von Wolf, genannt Metternich, über; er war Kämmerer des Herzogs Maximilian von Bayern.

Nachdem 1522 die Reformation in Flehingen eingeführt worden war, erhielten durch ihn die Katholiken wieder mehr Rechte und zogen in den Ort.

Überhaupt erholte sich der Ort nach den Schrecknissen des 30-jährigen Krieges wieder, in dem hauptsächlich die Franzosen sehr gehaust hatten. Die alte St. Martinskirche wurde durch Graf von Wolf zu einem Simultaneum und wurde von beiden Konfessionen benutzt.

Ab 1719 ist endlich wieder ein katholischer Pfarrer am Ort, der Sickingen mit betreut.

Das Martinspatrozinium der Kirche deutet auf die Frankenmissionierung hin, die ihren Stammesheiligen in vielen Kirchen einführten. In der Kirche sind Grabmäler des Geschlechtes von Flehingen, dessen Angehörige in der Familiengruft beigesetzt sind.

Im Jahre 1825 wurde die Kirche größtenteils umgebaut und ist mitlerweile allein von der evangelischen Gemeinde benutzt. Denn im Jahre 1911 erbauten die Katholiken in neuromanischen Stil etwas höher gelegen ihre St. Martinskirche. Sie mißt 40 x 17 x 13,7 m. Auch wurde gleichzeitig daneben das Pfarrhaus erbaut.

Heute gehört Flehingen zur Seelsorgeeinheit Sickigen zusammen mit den katholischen Gemeinden Sickingen, Zaisenhausen, Sulzfeld und Kürnbach.

 
Quelle: Das katholische Dekanat Bretten von Pfarrer Dieter Göpfert